Digitale Suche 2.0 | Teil I: Am Anfang war das Wort …
In dem ersten Teil dieser Artikelserie bechäftige ich mich mit der Grundlage jeglicher Kommunikation selbst - mit der Sprache und versuche vereinfacht zu zeigen, daß ein “Wort” nicht gleich ein “Wort” ist, daß es einen riesigen Unterschied zwischen “Ausdruck” und “Bedeutung” gibt und daß unsere Assoziationsfähigkeit noch erstaunlicher funktionert als eh schon gedacht…
Auf der Suche nach einer besseren Suche …
Teil I: “Am Anfang war das Wort…“
hat Johannes schon damals richtig erkannt.
Seit dem sind Jahrtausende vergangen und die Welt dreht sich auch weiterhin um das Wort herum. Gesprochenes und geschriebenes Wort ist nicht nur die weitest erfolgreichste Kommunikationsform der Menschen, sondern bringt Sprache erst unser privates Universum zum Ausdruck und all diese kleine Universen zusammen bilden das, was wir als Wirklichkeit und Realität wahrnehmen und verstehen.
Die Kluft zwischen “Ausdruck” und “Bedeutung”
Soweit sogut. Wörter => Sätze => Sprache => Realität. Klingt einfach. Ist es nicht.
Das Netz verdeutlicht uns erst so richtig, daß ein “Wort” an sich nur ein “Ausdruck” ist, dessen Wertigkeit aber komplett von der kontextuellen Bedeutung abhängt. Und dadrin liegt eben die Kluft. So stellen wir plötzlich fest, daß unser “WWW” aus vielen Ausdrücken ohne Bedeutung besteht.
Und obwohl wir sogut wie jedes einzelne dieser “Wörter” finden können, Antworten sind keine dabei.
Ich lese “Ketschup” und denke “Pommes, Burger, BBQ, Feuer, Sommer“
- Ich lese “Shampoo” und denke “Badezimmer, Schuppen, Frisur, Supermodels, Geld“.
- Ich lese “Liebe” und denke “Beziehung, Urlaub, Sex, Kinder, Steuer“.
- Ich lese “Lebensmensch” und denke “Freund, Kumpan, Kollege, Partner, Liebhaber“.
Genau das macht unsere Sprache aus. Was kann sich eine Maschine ‘denken’ wenn sie “Ketchup” liest? Wahrscheinlich liest eine Machine ‘Ketschup’ und denkt sich:
'/k/ /e/ /t/ /s/ /c/ /h/ /u/ /p/', 'ke' 'tschup', 8 Phonemen, 2 Silben, 'Produkt', 'Lebensmittel', 'Gemüse', 'Beilage', 'Gewürz', 'Sauce', 'pikant', 'rot', 'flüssig', 'Heinz', 'Felix'Und obwohl das lustigerweise wahrscheinlich mehr Assoziationen zu diesem Begriff sind, als mir vielleich überhaupt eingefallen wären, verfügt mein Gehirn auch über Assoziationen, die aus dem Erlebten, Gelernten oder Erträumten entspringen.
Ich habe schon mal ein Hochsommer-BBQ mitgemacht, mit Feuer, Steaks, Chicken-Wings, BBQ-Sauce, Ketschup, duftendem Fleisch, heissen Steinen, Sonnenuntergang, Bier, usw. und all diese Verknüpfungen sind in meinem Gehirn dazu entstanden und sind irgendwo gespeichert um sie bei Bedarf jederzeit auspacken und benutzen zu können. Nicht nur als “Wörter”, sondern als ganz konkrete “Bedeutungen”.
Assoziationsfähigkeit non plus ultra
Unsere Assoziationsfähigkeit ist so vielfältig, daß man immer wieder staunen muss.
Als ich noch als Kind das erste Mal mit den Eltern auf Urlaub in Spanien war, hatten wir damals eine große Packung duftendes Duschgel mit dabei. Als ich letztlich - nach sicher gut 20 Jahren - im Drogeriemarkt nach einem Duschgel gesucht habe und an einem der vielen gerochen habe, hat mein Gehirn - komplett ohne “mich” - sofort erkannt:
Wow! Ja, stimmt. Ich kann mich erinnern.
Und das ist genau der Punkt der Sache - sollte es uns mal gelingen, die automatisierte maschinelle Emulation dieser Fähigkeit auch nur halb so weit zu bringen, gibt es für den Anbieter dieser Technologie KEINEN Konkurrenten. Revolution pur. Mit allen damit verbundenen Kommerzialisierungsmöglichkeiten.
Artikelserie: Digitale Suche 2.0
In den kommenden Teilen dieser Serie werde ich weiter versuchen zu zeigen, warum es Sinn macht sich mit diesem Thema zu beschäftigen und warum die “Digitale Suche - als Platzhalter für unser gesamtes globales Daten- und Wissensmanagement”, in der derzeitigen Form nicht mehr lange halten wird
Gleich im Anschluß werde ich mich mit der Wortbedeutung, Wortgebrauch, kategorialem und individuellem Wissen, semantischen Relationen und Feldern, Wortfeldtheorie, Markovschen Kette und weiteren darauf aufbauenden Themen auseinandersetzen.
Sollte mir dieses Vorhaben gelingen, hätte ich am Ende gerne ein “Werk”, das verständlich präsentiert, worum’s dabei geht, wie was gemacht wird, wo es happert und wohin der Weg führen sollte.
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Digitale Suche 2.0 | Teil I: Am Anfang war das Wort ……
Das Netz verdeutlicht uns erst so richtig, daß ein “Wort” an sich nur ein “Ausdruck” ist, dessen Wertigkeit aber komplett von der kontextuellen Bedeutung abhängt. Und dadrin liegt eben die Kluft. So stellen wir plötzlich fest, daß unser “…
Hallo Martin,
das Beispiel mit dem Duschgel kann ich bestätigen. Bei mir war es eine USA-Reise. Als ich nach einem Jahr die gleiche Sorte Duschgel wieder benutzt hatte, war es wie ein Flash: Alle Erinnerungen an die USA waren quasi gleichzeitig wieder präsent: Ich musste mich sogar kurz setzen, so überwältigt war ich.
Aus Sicht der Gehirnforschung ist das Beispiel auch klasse. Denn das Geruchssystem (u.a. Bulbus olfaktorius) gehört zu den ältesten Gehrinteilen und ist driekt mit dem Gedächtnis verdrahtet. Die Aktivierungsmuster bei der Geruchswahrnehmung sind sehr komplexe Raum-Zeit-Muster (sog. Attraktoren), deren Erforschung für das Verständnis assoziativer Netzwerke hilfreich war.
Deine Assoziationskette zu “Ketchup” wird im Gehrin auch durch solche Raum-Zeit-Muster (synfire chains) repräsentiert.
Ich wünsche viel Erfolg mit der Serie zum Semantic Web!
Klaus
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[...] Digitale Suche 2.0 | Teil I: Am Anfang war das Wort … [...]
[...] 1.Teil geht es übrigens hier [...]
[...] konzentriert sich Qimaya auf das wesentliche und versucht herauszufinden, wie es möglich ist, dass die punktgenau-gleichen [...]
[...] Web, Web 3.0…). Martin Waiss hat zu den verschiedenen Ansätzen und Problemstellungen eine wunderbare Artikelserie [...]
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